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Garten Besuche in:
Hessen, Deutschland.


9. - 16. Juni 2003


by AHS International Membership Chair Gisela Meckstroth      


Ein paar Worte von Gisela, AHS Region 2 Editor

   

  

   

   

Gisela Meckstroth

   

 

 
anz früh in meinem Leben, ungefähr im Alter von 6, hatte ich beschlossen so oft zu reisen wie ich es nur möglich machen könnte, und möglich gemacht habe ich es wirklich.

Dies war ein höchst interessanter und emsiger "Reisesommer" für mich und ich bin so dankbar, dass ich mit einem Mann verheiratet bin der auch an Taglilien interessiert ist und der, vielleicht deswegen, meine Taglilien- und Reisepassion verstehen kann. Der Sommer begann Mitte Juni mit einer Reise nach Deutschland um mein Klassentreffen mitzumachen, meine Freunde und Verwandten zu besuchen, und um Tagliliengärten zu besuchen. Dann fand das AHS nationale Treffen in Charlotte (North Carolina; 10 Stunden Fahrzeit von Columbus, Ohio!) statt, einen Tag hinterher nach Hause zum Wäschewaschen und mehr Geld holen, dann war es Zeit mit Rosemarie Foltz von Canton, Ohio, zum Region 2 Sommer Treffen in Collinsville, Illinois, (auf der östlichen Seite des Mississippi Flusses gegenüber von St. Louis — auch 10 Stunden Autofahrzeit) zu fahren um die schönen Tagliliengärten zu genießen. Einige Tage später hielten wir unsere Metropolitan Columbus Taglilien Schau bei der ich mithalf, dann half ich als Taglilienschau Richter bei der Südwestlichen Michigan Taglilien Gesellschaft in Detroit. Nochmal einen Tag nach Hause um die Koffer umzupacken, und mehr Geld zu holen und schon waren Region 2 Mitglied Janice Clark (auch Mitglied im Metropolitan Columbus Taglilien Club) und ich auf dem Weg nach Amsterdam für Tagliliengartenbesuche in Belgien und Deutschland und zu dem kombinierten Hemerocallis Europa (HE) – Gesellschaft der Staudenfreunde/Fachgruppe Hemerocallis (GdS) Treffen in Ede, Holland.

Eine Beschreibung dieser Gartenbesuche kann auch auf den Hemerocallis Europa Internetseiten ( http://www.hemerocallis-europa.org/ ) und auf den AHS Region 2 Internetseiten angesehen werden ( http://www.ahsregion2.org ).

Ein weiterer Artikel, mit farbigen Bilder, über die internationalen Besucher bei der 2003 AHS National Convention in Charlotte, North Carolina, ist auch auf diesen Internetseiten als Link ausgestellt.

Besonderen Dank an unseren Region 2 Vizepräsidenten Ed Myers für das Zureden und für die Erlaubnis diese Artikel auf der Internetseite der Region 2 zum Lesen und Abdrucken zu stellen.


Gisela Meckstroth
6488 Red Coach Lane
Reynoldsburg, Ohio
USA

Telefon: 614-864-0132
Fax: 614-864-0132 (Computer stellt bei Faxton auf Faxempfangen um)

E-mail: gisela-meckstroth@worldnet.att.net
Wisst Ihr ...
dass Taglilien an den Seiten der Internet Autobahnen wachsen und dass Ihr sie dort sehen könnt? ...
  • Surft im Internet and lernt mehr über Taglilien.
  • Besucht unsere Region 2 Internetseiten und Club Links:
    http://www.ahsregion2.org
  • Besucht die American Hemerocallis Society Web-Seiten:
    http://www.daylilies.org/daylilies.html
  • Besucht die Hemerocallis Europa Internetseiten:
    http://www.hemerocallis-europa.org/
  • Ihr könnt zu vielen interessanten Taglilienseiten "reisen" nur durch Klicken auf Links (Internetverbindungen). Habt Ihr keinen Computer, dann geht in eine Bibliothek oder zum nächsten Internet Cafe. Man wird Euch dort gerne helfen, die hohen Internet Ozeane zu besegeln.

Es ist doch eine ganz, ganz, ganz kleine Welt!
geschrieben und ins Deutsche übertragen
von Gisela Meckstroth, AHS International Membership Chair
Übersetzung redigiert von Gudrun Tillmann-Budde
und Jürg Plodeck

Ein Blick auf Gudruns Dorf, Eyershausen.
Eyershausen liegt etwas nordwestlich von Göttingen.

Die American Hemerocallis Society (AHS) und die Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS)/Fachgruppe Hemerocallis haben ein Abkommen ihre jeweiligen Zeitschriften auszutauschen. Barbara Poschmann, Redakteurin der "Gelben Seiten" der GdS-Publikation, hatte einen anregenden Artikel in der Ausgabe vom April 2000 über Gärten in der Kasseler Gegend geschrieben, welcher einen Hänsel und Gretel Garten einschloss. Ich war in einem kleinen, "Fiddler on the Roof" ähnlichen Dorf etwas östlich der Stadt Wickenrode aufgewachsen, und ich entschloss mich schnell, ein Klassentreffen im Juni 2003 mit Besuchen bei Verwandten, Kindheitsfreunden und Kindheitsfreundinnen und mit Tagliliengartenbesuchen zu verbinden.

Ich mailte Barbara um herauszufinden, ob ich ihren eigenen Garten und Dora Peters Hänsel und Gretel Garten besuchen könnte. Ich mailte auch meinen Reiseplan und erklärte, dass meine deutschen Freunde und Verwandten immer über meine typisch amerikanischen Besuche im Eilschritt und "mit fliegenden Haaren" spaßen, ein Ausdruck den sie gebraucht hatten für ihr eigenes hektisches Programm während der Betreuung von Gartenbesuchern. Barbara bot sehr freundlich an, alle Vorbereitungen für mich zu treffen, und ich war ganz überrascht zu hören, dass der Hänsel und Gretel Garten nur etwa 3 km weit von dem Dorf Wickenrode lag, wo ich bei einer Kindheitsfreundin übernachten würde. Gut, dieser Gartenbesuch würde glatt in meinen zeitbedrängten Reiseplan passen.


10. Juni: Ankunft in Frankfurt und Fahrt nach Fulda

Was für ein glatter Flug von Columbus, Ohio, über Washington, DC, nach Frankfurt! Weiter zu meinem Bruder, seiner Frau und meiner Nichte in Fulda, ungefähr 1-3/4 Fahrstunden nordöstlich von Frankfurt.

Ich habe die Terrasse meiner Schwägerin viele, viele Jahre lang bewundert. Diese Pflasterarbeit besteht aus runden Scheiben, die aus Baumstämmen geschnitten wurden. Sie haben sich schon so lange gehalten und sehen immer noch gut aus. Ich sah auch dieselbe Baumstammscheiben Methode bei Auto-Einfahrten angewandt. Alle in Mitteldeutschland, aber leider keine hier in Ohio.

HE Vizepräsidentin und GdS Mitglied Gudrun
Tillmann-Budde hat dies bezaubernde Bauernhaus und
Garten in dem kleinen Dorf Eyershausen, etwa
1-1/4 Stunde Fahrzeit nördlich von Kassel, gefunden.


Mittwoch, 11. Juni: Eyershausen

Hemerocallis Europas Vizepräsidentin Gudrun Tillmann-Budde und ich hatten während der letzten zwei Jahre über E-Mail an einigen Fragen zu den Registrierungskosten gearbeitet und als sie hörte, dass ich Kassel besuchen wollte, erklärte sie, dass ihr Garten nur eine kurze Stunde Fahrzeit nördlich dieser Stadt sei. Ob ich denn nicht einen Besuch in ihrem Sommerhaus in Eyershausen reinschieben könnte?

Gudrun hat mich willkommen geheißen mit einem sehr erfrischenden Getränk, das sie selbst von Holunderblüten gemacht hatte. Sie sammelt die frischen Blüten und legt sie in Zuckerwasser ein. Nach weiterer Behandlung entsteht ein Sirup mit Holundergeschmack, der je nach Gebrauch mit Wasser gemischt wird. Dies Getränk transportierte mich direkt in meine Kindheit in dieser Region Deutschlands während der 1930er und 40er Jahre zurück, als wir Kinder die Blüten von so vielen Bäumen und Sträuchern sammelten, die entweder frisch oder getrocknet als Tee an Winter Abenden getrunken wurden.

Ihr Leser wisst sicher alle, was die Worte "Taglilien Passion" in sich enthalten. Hier seht Ihr nur ein Beispiel davon. Gudrun mietet den Garten der Nachbarn zwei Gärten weiter nebenan! Welches Glück einen Garten für Sämlingsanpflanzung so nahe zu finden!

Mein amerikanisiertes Gehirn arbeitet natürlich mit der langsamen Fahrgeschwindigkeit von 65 Meilen pro Stunde und nicht mit "keiner oberen Geschwindigkeitsgrenze auf Autobahnen", was auf etwa 90-110 Meilen pro Stunde hinausläuft. Kassel ist ungefähr 160 km nördlich von Frankfurt, und nachdem ich Fulda um halb 11 morgens verließ, war alles, was ich zu tun brauchte, auf der Spur zu bleiben und ungefähr 160 km pro Stunde in meinem winzig kleinen, aber sehr kraftvollen gemieteten Mercedes (ein Diesel) zu fahren, der ganz passend Elch genannt wird, um auf seine zwergenhafte Größe aufmerksam zu machen. Ohne obere Geschwindigkeitsgrenze kann ich sogar als ältere Fahrerin die Entfernungen wirklich richtig einplanen — d.h. ganz im Gegensatz zu unserer Geschwindigkeitsbegrenzung in Ohio. So lernte ich schnell "mit fliegenden Haaren" zu fahren und kam rechtzeitig um ein Viertel vor 1 Uhr an, gerade richtig zu Gudruns schmackhaft vorbereitetem Mittagessen.

Gudrun nahm diese erste Blüte des Jahres an ihrem Eremurus als Willkommenszeichen an mich auf.

Gudrun in ihrem "versteckten" Garten

Gudruns Sommerhaus (sie wohnt während der kalten Monate in Berlin) ist typisch für die Bauernhaus-Bauweise im nördlichen Mitteldeutschland. Es ist ein Fachwerkhaus, ganz ähnlich der "board and batten" Bauweise, die im Mittelalter angewendet wurde und die auch ganz typisch in der englischen Stadt Chester angewandt wurde. Alle Bauernhäuser und Geschäfte stehen eng zusammen und die Bauern fahren mit ihren Traktoren und Wagen zu den verschiedenen kleinen Feldern, die das Dorf umringen. Das ganze kleine Dorf Eyershausen ist ungefähr 3 Straßen breit. Gudruns Bauernhaus liegt an der mittleren Straße, von wo sich ihr ziemlich langer Hintergarten bis zur unteren Straße erstreckt, an die gleich die außen liegenden Weiden, auf denen die schwarz-weißen Kühe grasen, und die Äcker angrenzen.

Ein Blick unten vom Hintergarten hoch zu Gudruns Bauern-Fachwerkhaus in Eyershausen.

Gudruns Rosengarten. Sie spezialisiert sich auf ältere
Sorten, in USA "heritage roses" genannt.

Was für ein schönes Privatversteck sie da gefunden hat und weiter entwickelt. Dort gibt es viele Stauden, einschließlich Hostas (Funkien), ausgesuchte Rosen, Lavendel, Taglilien, und mehrere Holunderbäume. Jeden Frühling sammelt Gudrun die Holunderblüten. Sie legt sie mehrere Tage in Zuckerwasser ein und macht Holundersirup daraus. Sie mischte etwas von diesem Sirup mit Wasser als kühle Erfrischung und als Willkommensgruss für uns und transportierte meine Erinnerungen sofort zurück in meine Kindheit, als dies ein gebräuchliches Getränk war; keins von uns Kindern wusste damals, was "soda pop" (Coca Cola u.s.w.) war. Nach einer schmackhaften Spargelsuppe und einer Schale Erdbeeren zeigte sie mir die allererste offene, einzelne Blüte einer Eremurus Pflanze (siehe Foto) und erzählte mir, dass sie diese Blüte als Willkommenszeichen der Blume für mich ansähe.
Ein gemietetes Gartenstück für Gudruns Sämlinge. Weiter hinten, im Garten des nächsten Nachbarn kann man noch einen altmodischen "Honigwagen" sehen. Leser, die sich erinnern können, wofür der gebraucht wurde, gehören sicher zur Gruppe der Taglilienliebhaber die über 30 sind!

Noch ein Blick von ihrer Terrasse in den Garten und zu den Hügeln

Trotz der für die Taglilienblüte noch ein bisschen frühen Zeit hatten die meisten Taglilienhorste schon hohe Stängel, vollgeladen mit ungeöffneten Knospen. Einige der Taglilien standen schon in Blüte und manche davon waren ihre eigenen Sämlinge. Ihr Garten ist ziemlich groß und ich schätzte, dass er im oberen Bereich ungefähr 30 m breit und insgesamt etwa 65 m lang ist — mehr als genug Platz für die meisten Gärtner — aber nicht genug Platz für die angehende und sich entfaltende Züchterin Gudrun. Wir schritten durch den sich leicht tiefer ziehenden Garten, durch das Hintertor hinaus und spazierten einen schmalen Weg hin zum Nachbargarten. Vor einigen Jahren hatte sie entdeckt, dass die Eigentümer dieses nachbarlichen Bauernhauses, parallel zu ihrem, aber einen Garten entfernt, nicht mehr an der Bearbeitung des Gartens interessiert waren. Und so benützt Gudrun dieses Stück Land für ihre Sämlinge. Zwischen ihren Sämlingen zieht sie eine Reihe Paprikapflanzen und jede dieser Pflanzen hat um die Wurzeln ein Rechteck aus "Gartenpappe", ein Material, von dem ich noch nicht gehört hatte oder das ich noch nicht gesehen hatte. Gudrun erzählte, dass sie beinahe jeden Sommertag von 10 Uhr morgens bis 10 Uhr abends, solange das Wetter es erlaubt, im Garten verbringt. Ich konnte ihre Begeisterung leicht verstehen. Sie hat ihr himmlisches Häuschen inmitten einer der schönsten deutschen ländlichen Gegenden gefunden.

Kühe weiden am Berg. Was für ein schöner Blick von Gudruns Terrasse und Wohnzimmer Fenster.

Einer von Gudrun Tillmann-Buddes sehr
früh blühenden Sämlingen.

Ein Ausschnitt von Gudruns Sonnengarten. Sie hat einen Tisch und Stühle auf diese Terrasse gestellt und hat mehrere Spaliere gebaut um dies Versteck abzuschirmen.

Taglilien in einem kleinen Gärtchen am Strassenrand auf
dem Weg zurück von Eyershausen nach Kassel. Leider
waren die Eigentümer des Hauses nicht zuhause, um der
Schreiberin zu erzählen was es für welche sind.

Es ist Zeit auf die Uhr zu sehen! Ich hatte versprochen um spätestens halb 6 im Haus meiner Freundin zu sein. Nachdem ich den mächtigen, mächtig kleinen Mercedes-Elch aufgedreht hatte, fuhr ich durch kleine Dörfer wieder zurück zur Autobahn — und entdeckte am Straßenrand in einem kleinen Dorf Taglilien. Wunderschön, wunderschön. ich hielt an um ein oder zwei Dias aufzunehmen und mit den Eigentümern zu sprechen, aber die waren nicht zuhause und die Nachbarn wussten nicht Bescheid über diese goldenen Schätze. Die Fahrt von Gudruns Dorf Eyershausen ist einfach erlesen köstlich. Die sich windenden Strassen führten mich durch etliche kleine, typisch südniedersächsische Bauerndörfer und einen größeren Ort, Bad Gandersheim. Wenn man auf diesen engen Strassen fährt, kann man beinahe die Läden, Häuser, und Scheunen auf beiden Seiten der Strasse berühren. Die Strassen führten direkt über den Marktplatz, dann wieder durch hügeliges Bauernland. Jeder Amerikaner, der Deutschlands Märchenland der Gebrüder Grimm sehen möchte, muss Hessen, die Gegend nördlich von Frankfurt, besuchen.

Würdet Ihr Leser nicht Brotkrumen brauchen, um Euren Weg aus diesem Hänsel und Gretel Garten zu finden, wenn Ihr 5 Jahre alt wärt?
Foto: Barbara Poschmann

Nur einer der vielen verzaubernden Anblicke in Dora Peters
schattigem Hänsel und Gretel Garten.
Foto: Barbara Poschmann.


Wickenrode, Oberkaufungen, und Kassel-Wilhelmshöhe

Während ich auf der Autobahn südlich fuhr und schweren Verkehr um die ziemlich große Stadt Kassel erwartete, nutzte ich das Fahren "ohne obere Geschwindigkeit" wieder aus und erreichte mein kleines Heimatdorf, wenig östlich von Kassel, innerhalb von 1 Stunde und 15 Minuten.

Ein Horst der tetraploiden Taglilie ATLANTA MOONLIGHT (Petree 1982) begrüßte mich an Wilma und Augusts Gartentor. Obwohl es eine Sorte mit mittlerer Blütezeit ist, sollte sich die erste Blüte in nur ein paar Tagen öffnen. Taglilien schienen extra früh in diesem Jahr hier zu blühen - Deutschlands heißester Sommer seit 1947. In diesem Moment wünschte ich mir, dass ich lange genug hier bleiben könnte um sie blühen zu sehen, hier wo ich meine Kindheitsjahre verbracht hatte und wo Gänse und Enten neben uns Kindern her auf den Dorfstrassen gelaufen waren.

Basaltstücke, die während der Kohlenbergwerkzeiten
gefunden wurden, sind hier strategisch in Dora Peters
Schattengarten aufgestellt worden.
Foto: Barbara Poschmann

Hans Mades erklärt etwas Wichtiges für Gisela
und die Redakteurin der "Gelben Seiten" der
GdS-Zeitschrift, Barbara Poschmann.
Foto: Barbara Poschmann.

Wilma und August warteten mit einem kalten, kalten Bier auf mich und zeigten mir die neusten Anschaffungen für ihren Garten. Am beeindruckendsten waren halbmondförmige Pflanzsteine, die aus Zement-Kieselgemisch gemacht waren und die sie benutzt hatten, um eine Erde haltende Gartenwand zu bauen. Die hohlen Steine sind aufgeschichtet und dann mit Erde gefüllt und mit perennierenden oder Sommerblühenden Pflanzen bepflanzt worden. Janice Clark, Mitglied der Tagliliengesellschaft von Metropolitan Columbus, und ich entdeckten diese selben Steine auch während einer zweiten Europareise in diesem Sommer.

Wilma zieht Orchideen auf der kühlen Marmorfensterbank an der Ostseite ihres Hauses. Die Orchideenwurzeln wachsen unten aus den Blumentöpfen heraus und verbreiten sich auf der kühlen Fensterbank, wo sie drüberhängen wie die Fransen von Spitzengardinen, welche die oberen Fensterscheiben schützen. Ich wünschte, ich könnte das hier in Ohio trotz unserer Gasheizung machen. Das Heizungssystem dort verwendet Wasserheizkörper.

Natürlich wollten Wilma und August wissen, warum ich einen Garten ein bisschen weiter die Landstrasse hinunter besuchen wollte. Wem gehörte der Garten denn? Dora Peter? Viel Gelächter rundum. Kannst Du dich nicht mehr an Dora Peter erinnern? Nein, das konnte ich nicht (Peter ist ihr verheirateter Nachname). Liebe Güte, Dora ist in dieselbe Schule mit uns allen gegangen und war auch in unserem kleinen Dorf geboren und aufgewachsen.

Nein, es ist kein Jux, es ist wirklich eine ganz kleine, kleine, wirklich kleine Welt.

Donnerstag, den 12. Juni: Dora Peters "Hänsel und Gretel" Garten in Oberkaufungen

Frühes Mittagessen wartete auf mich bei Wilmas Schwester Leni und ihrem Mann Ludwig Peter. Ich spazierte runter auf der Strasse, die früher so viel steiler war (Kindheitserinnerungen), an dem Schulgebäude vorbei, wo mein Vater gelehrt hatte und in dem wir alle Schüler gewesen waren, ging um die Ecke herum auf Lenis Haus zu, welches auf der Seite des Hirschberges steht, (hier in Ohio würden wir so einen mitteldeutschen Berg "Großgebirge" nennen). Dann hielt ich am Haus einer weiteren Kindheitsfreundin an. Irmtrauts Garten steht voller Stachelbeer- und roter und schwarzer Johannisbeerbüsche und wir erinnerten uns an die guten alten Tage, als das Obstpflücken die Arbeit der Kinder war. Wilma und Ludwigs Garten stellte die schönsten und kräftigsten Begonien vor, auch in diesem, dem heißesten Sommer. Beinahe jedes Haus in Wickenrode hat, und hatte immer, einen Garten. Die meisten wurden immer benutzt, um Gemüse und Obst und dazwischen Blumen zu ziehen.

Nach dem Mittagessen spazierte ich zurück zu einem Haus mit mehreren Wohnungen, direkt gegenüber der Schule, in welchem damals fünf weitere meiner Kindheitsfreudinnen wohnten und wo vier von ihnen heute noch die Mehrzahl der Monate im Jahr dort leben. Oh, Erinnerungen und noch mehr Erinnerungen. Ich weiß, dass meine Liebe zur Gartenarbeit hier anfing. Kleine Gänseblümchen wachsen immer noch hier in ihren Gärten, genauso wie sie es in den 1940er Jahren taten. Wilde Blümchen überall in den kleinen Rasenflächen; keine unkrautfreien "Kentucky Blaurasen" hier. Kleine, kleine Margariten und die kleinsten Butterblumen, ein sicheres Zeichen, dass die Erdschicht dünn und mager ist, typisch für die hügelige Gegend und dafür, dass Dünger nicht übermäßig benützt wird.

Am frühen Nachmittag fuhr ich, diesmal langsam, langsam, die 3 km von dieser höheren Lage die zweispurige Landstrasse hinunter dem Kasseler Talkessel zu und in das kleine Dorf namens Oberkaufungen, an beiden Seiten von höheren Bergen begleitet. Wie oft waren wir Kinder in den Jahren des 2. Weltkriegs auf diesen Strassen gelaufen, als keine Omnibusse fuhren und nur unser Dorfmetzger ein Auto besaß!

Gisela Meckstroth, AHS Interntional Membership Chair, Hans Mades, Mitglied der Gesellschaft der Staudenfreunde, und Kriemhild Schneider, die Mutter von Barbara Poschmann, der Redakteurin der "Gelben Seiten" der GdS.
Foto: Barbara Poschmann.

GdS "Gelbe Seiten" Redakteurin Barbara Poschmann, ihr Nachbar
und neues GdS Mitglied Hans Mades, Hänsel und Gretel
Garteneigentümerin Dora Peter, und Barbara's Mutter Kriemhild
Schneider erlaben sich an Doras erfrischenden Getränken und
gutschmeckenden Amerikanern.


Ich manövrierte durch die enge Dorfstrasse, dann rechts den Berg hinauf, scharf links reingedreht auf einen einspurigen Fahrweg, der mit einem Parkplatz für zwei Autos endete. Ein modernes Haus — eingezäunt mit einem Zaun, den die Deutschen als Jägerzaun kennen (zusammengenagelt aus kleinen 3-7cm dicken, sich schräg überkreuzenden Baumstangen) — wartete auf der dicht beholzten Bergseite. Der Hänsel und Gretel Märchengarten. Kein Zweifel daran! Dora kam zur Gartentür und lud mich ein. Zu Ehren des Besuches aus dem so weit entfernten Ohio hatte sie einen Teller voll spezieller, aber sehr bekannter deutscher Küchlein mit Zuckerguss gebacken und die heißen Amerikaner. Oh du liebe Güte, wieder so viele Erinnerungen an die Kinderjahre!

Bald kam Barbara Poschmann an und brachte ihre Mutter Kriemhild Schneider und ihren Nachbarn Hans Mades mit. Wir wanderten durch den großen Stein- und Schattengarten und bewunderten die vielen Pflanzen, die Naturfelsformation, die große Sammlung verschiedener Felsbrocken, die so strategisch in diesem Schattengarten platziert waren. Doras Ehemann war Leiter des örtlichen Kohlenbergwerks gewesen und ihr Heim steht hoch auf dem Berg über diesem Kohlenbergwerk. Alle besonderen Felsbrocken wurden in diesen Garten gebracht und so hingestellt, dass sie sofort die Blicke der Gartenbesucher auf ihre architektonische Schönheit ziehen würden. Leider, obwohl ein Horst der STELLA DE ORO (Jablonski 1975) schon abgeblüht war, hatten die anderen Taglilien noch nicht angefangen zu blühen.

Die Poschmann Katze schläft neben dem kleinen Bach, der seinen Flussweg durch den großen, großen Garten zieht.
Foto: Barbara Poschmann.


Dora servierte kühlende Getränke und ich hatte ein Fotoalbum "Erinnerungen 1934-1946" aus den Jahren, die ich in Wickenrode verbracht hatte, mitgebracht. Nun konnte Dora auch mich erkennen als eine der kleinen Wickenröder Spielgefährtinnen. Es ist eine kleine, kleine, kleine, ganz kleine Welt. Liebe Güte, so kann es gehen, wenn man einen fremden Besucher aus einem so weit entfernten fremden Land erwartet!

Es ist Zeit zur Abfahrt, viel zu früh natürlich. Ich folgte Barbara in ihrem Auto, die — aus Rücksicht auf meinen amerikanischen Langsam-Fahrstil — mit nur etwa 94 km pro Stunde zu ihrem großen, wunderschönen Haus mit Gartenmauer im westlichen Vorort von Kassel fuhr.

Sie und ihr Ehegatte sind erst in diesem Frühjahr in dies Haus eingezogen, aber keiner würde das je geahnt haben. Dies war ein reifer, wunderschön angelegter Garten von Gutgröße mit allen möglichen hohen Bäumen, Rhododendren, Stauden, Kletterrosen, Buschrosen, Taglilien, Gräsern und allen möglichen Sorten von perennierenden Pflanzen. Eine Menge Behälter standen an den Gartenpfaden entlang und auf den Terrassenflächen, und Barbara erklärte, dass sie dieses Jahr alle Reiseangebote abgelehnt hätte, damit sie sich ihren kleinen Pflanzen, entstanden aus Samen vom GdS-HE Samentausch, widmen könnte. Darunter waren auch Tagliliensämlinge. Einige kamen sicher aus der Internationalen Samenbank der AHS und die Samen waren dem Samenaustauschprogramm von den E-Mail Robins der AHS gespendet worden. Wieder bemerkte ich viele Gartenkunst-Gegenstände, die so verschieden waren von denen hier drüben. Sehr interessant waren große runde und niedrige Gartenlampen, die ich auch noch nie gesehen hatte, und so dekorative Pflanzenpfähle, die aber auch hier in unserem Mittelwesten nicht zu bekommen sind. Die Sonne fing an unterzugehen und es war schon wieder höchste Zeit fort zu eilen, um meinen Bruder eine Stunde Fahrzeit westlich zu treffen, damit wir am nächsten Tag etwas Genealogie betreiben konnten, um noch Jugendfreunde zu treffen und mein Klassentreffen zu besuchen.

Interessante Pflanzen wachsen neben dem kleinen Bach in Poschmanns Garten.

Poschmanns Garten im schönen Kassler Villenviertel Wilhelmshöhe.

Bildschöne Details im Poschmann Garten, von interessanten Baumstämmen und Baumrinden bis zu den mehreren gepflasterten Pfäden.
Foto: Barbara Poschmann.

Gisela Meckstroth, Kriemhild Schneider, Hans Mades.
Foto: Barbara Poschmann.


Freitag, der 13. Juni: Frankenau, Herzlhausen, Vöhl und Haine an der Eder

Mein Bruder Karl-Heinz, der pensionierter Professor in Fulda ist, und ich trafen uns Donnerstagabend in dem Gasthof "Der Hessische Hof" in Frankenau in der Nähe von Frankenberg, Eder. Freitag fuhren wir in Nachbardörfer, wo Nachfahren von unserem Großvater noch in dem alten ururgroßväterlichen Haus in Vöhl am Edersee leben (Gibt’s noch Leser die sich an den britischen Film über die Bombardierung der Edertalsperre mit den speziell gebauten "explosiven Steinen" aus den Kriegsjahren erinnern?). Freitag spätnachmittags besuchten wir noch die Jugendfreunde Herta und Willi Gasse und Hertas Mutter in Haine und abends speisten wir zusammen mit einem Klassenkameraden aus Göttingen, der mich vor dem Klassentreffen dort mit meinem Bruder zusammen besuchte.

Samstag, den 14. Juni: Frankenberg, Rosenthal, Gemünden

Mein Klassentreffen wurde in einem weiteren kleinen Dorf zwischen Frankfurt und Kassel abgehalten. Nach einem frühmorgendlichen Treffen in der alten Schule, traf ich zum ersten Mal seit 1953 eine Klassenkameradin, deren Vater bis zu seinem Tod vor zwei Jahren Taglilienzüchter gewesen war. Schade, schade, ich habe es verpasst ihn kennen zu lernen! Aber der Mann dieser Klassenkameradin führt die Taglilienarbeit seines Schwiegervaters weiter. In meinem Gehirn tönte es: "Klick, klick, klick...Ein Tagliliengarten in Sinzig — schon ein ganz guter Grund um einen nächsten Deutschlandbesuch zu planen". Nach einem wunderbaren Tag voller Erinnerungen an unsere Tage in der Edertalschule, fuhr ich in das benachbarte, ungefähr 1-1/2 km südlich gelegene Dorf Gemünden an der Wohra, wo mein Vater geboren und aufgewachsen war. Dort übernachtete ich in einem bildschönen Gasthaus. Blumen waren überall in Behältern und Blumenkästen. Was für ein schöner Lebensort. Dreißig Euro für eine Nacht mit vollem Frühstücksbuffet. Kleine deutsche Gasthäuser bieten wunderbare Übernachtungen an.

Barbara Poschmanns Kassel-Wilhelmshöhe Garten.

Barbara zieht Pflanzen von Samen, den sie
durch den GdS Samenaustausch erhalten hatte.
Sie lehnte alle Angebote für Reisen ab, damit
sie sich diesen Sommer ihren kleinen Sämlingen
widmen konnte.
Foto: Barbara Poschmann.


Sonntag, der 15. Juni: Dreicheich und Frankfurt

Wieder auf der Autobahn mit hoher Geschwindigkeit auf Frankfurt zu, um zur rechten Zeit bei Kindheitsfreundin Gretel in ihrem Winterheim anzukommen. Sie ist eine der fünf Schwestern aus Wickenrode. Gleich zeigte sie mir die Taglilie ATLANTA FULL HOUSE (Petree 1984), die ich ihr und ihrer Schwester Hannelore vor einigen Jahren geschickt hatte und die sie geteilt hat und die so schön an verschiedenen Plätzen in ihrem Garten wächst. Sie war voller Knospen und gerade eben so vor der Blütezeit.
Mein Bruder und ich besuchten alte Freunde, Herta und Willi Gasse in Haine an der Eder. Herta zeigte mir ganz stolz noch eine der Atlanta Taglilienserie, die ich in den 1980er Jahren geschickt hatte. Die Pflanze hatte alle Stängel mit Knospen beladen. Diese Atlanta Serie öffnet sich gut in dem typisch kühlen Klima Mitteldeutschlands.

Klassenkameraden und Kameradinnen versammelten sich vor dem alten Schulhaus in Rosenthal, Hessen (nordwestlich von Marburg an der Lahn).

Während meines Besuches am 17. September, 2002, hatte ein Stängel geblüht. Als ich ihr sagte, dass ich ganz erstaunt über die ungewöhnlich späte Blüte sei, sagte sie ganz stolz, dass sie die Taglilie jeden Tag von Ende Juli an gewässert hätte, damit sie auch während meines erwarteten Besuches blühen würden. Da habt Ihr’s! Wenn man fest glaubt, dass etwas geschehen wird, ist es vielleicht schon mehr als die Hälfte geschehen, nicht wahr?

ATLANTA FULL HOUSE (Petree 1984) in Gretel and Hannelore Schillings Dreieich Winter Heim. Die Stängel sind Mitte Juni schon mit Knospen beladen.

ATLANTA FULL HOUSE (Petree 1984) blühte in dem Frankfurt-Dreieich Vorort am 17. September 2002, als ich meine zwei ältesten Enkelsöhne brachte, um sie meinen Kindheitsfreundinnen Gretel und Hannelore Schilling vorzustellen. Als ich fragte, wie es käme, dass diese Taglilie so ungewöhnlich spät blühe, erzählte Gretel mir, dass sie sie jeden Tag seit der ersten Blüte im Juli bis zum Besuch gewässert hätte. Sie wollte sicher sein, dass "meine" Taglilie blühen würde, wenn ich zu Besuch käme. Stellt Euch das vor, hier ist das Resultat.

Auf um meinen Neffen und seine Familie im nördlichen Vorort Frankfurts zu besuchen. Lange Erzählungen, Übernachtung, und am nächsten Morgen Fahrt zur Mietwagenrückgabe am Flughafen mit, sage und schreibe, dem letzten Tropfen Dieselöl. (Amerikanische Leser, stellt Euch vor: Eine volle Woche Fahrerei bei hohen Geschwindigkeiten mit einem einzigen Tank Diesel! Unglaublich.) Dann Abflug Richtung Washington/DC, wo ich freiwillig meinen Sitzplatz auf dem 26-sitzigen Verbindungsflugzeug nach Columbus, Ohio, im Tausch für einen Freiflugschein aufgab.

Ich kann immer einen Freiflug für AHS Ausschusssitzungen oder das nationale Treffen, oder für das Sommertreffen der Region 2 in Wisconsin nächstes Jahr brauchen. Beim Warten auf den nächsten Flug nach Columbus, etwa 3 Stunden später, ließ ich die gedanklichen Aufzeichnungen meiner kostbaren Reiseerlebnisse ablaufen.

Eine gemeinsame Liebe zu Taglilien lässt uns Freundschaftsbrücken bauen, die nationale Grenzen und Ozeane überspannen.
 
 

Gisela Meckstroth, Juni 2003


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